Die Schufa kündigt einen neuen Score an. Was die genauen Pläne sind und was das für Ihre Kreditwürdigkeit und Ihr Geld bedeutet.
Normalerweise schaut die Schufa potenziellen Kreditnehmern in Konten und offene Rechnungen. Nun läuft es anders herum — die Schufa muss sich in die Karten gucken lassen: Bis im Spätherbst will die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ mehr Transparenz in ihre Bewertungen von deutschen Verbrauchern bringen. Ein „neuer Schufa-Score“, so die Vorstandsvorsitzende Tanja Birkholz, soll dann die verschiedenen Scores für Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Handelsunternehmen ersetzen. Diese werden aber bis 2027 parallel für Schufa-Kunden wie bisher abrufbar sein.
Im Auftrag von Banken, Handelsunternehmen oder auch Vermietern errechnet die Schufa rund fünfzig Bonitäts-Scores für Bankkunden, Käufer oder Mieter, die deren Zahlungsfähigkeit abbilden sollen. Abhängig davon vergeben Geldinstitute Kredite und Vermieter ihre Wohnung – oder auch nicht. Entsprechend umstritten sind die Scores unter Kunden. Auch weil diese für sie nur begrenzt einsehbar sind. Immer wieder kommt es zudem zur Verwechslung von Betroffenen.
Da diese Berechnungen teils auf der automatisierten Verarbeitung von persönlichen Daten und Bezahlgewohnheiten beruhen, hatte der Europäische Gerichtshof in einem Urteil Ende 2023 mehr Klarheit gefordert. Frau Birkholz kündigt nun "vollständige Transparenz" an. Die Nutzer-Unternehmen muss sie erst noch „für den neuen Score gewinnen“. Er ersetzt das bislang komplexe System von insgesamt 250 möglichen Kriterien, die Personen- oder Finanzdaten der Betroffenen verwenden, durch ein einfacheres Punktesystem, das auf nur zwölf Kriterien zurückgreift.
Darunter sind „Zahlungsstörungen“, wenn Konsumenten Rechnungen oder Kreditraten nicht fristgerecht begleichen, aber auch die Anzahl von Ratenkrediten oder deren Laufzeit, die Anzahl von Konten und die Länge ihrer Nutzung. Je weniger Kredite, desto höher die zugewiesene Punktezahl. Je länger jemand schon per Girokonto oder Kreditkarten-Vertrag am Finanzleben teilnimmt, desto zuverlässiger erscheint er – und desto höher die Punktezahl.
Daten- und Verbraucherschützer mahnen schon länger eine transparentere Berechnung der Scores an. Zugleich drängen digitale Bezahlunternehmen wie Paypal und Klarna mit ihren Daten in den Markt der Schufa, sodass die sich auch deshalb — halb gezogen, halb geschoben — bewegen muss. Experten hatten erwartet, die Schufa würde mit dem Punktesystem gleich noch die Formel für die Errechnung ihres Scores veröffentlichen, ähnlich dem Cola-Rezept von Coca-Cola. Dies schiebt das Beurteilungsinstitut erst mal auf. „Die finale Formel wird erst veröffentlicht, wenn der neue Score gegen Ende des Jahres läuft“, kündigt CEO Birkholz an. Dieser werde eine „hohe Prognosegüte zum Zahlungsverhalten“ haben und gleichzeitig „für Verbraucher einfach nachvollziehbar sein, ohne mathematische Vorkenntnisse“.
Die Schufa hilft mit ihrer „Transparenzoffensive“ nicht nur klammen Kunden, sondern auch sich selbst. Denn das Unternehmen verteidigt ein rentables Geschäftsmodell. Von 280 Millionen Euro Umsatz blieben 2023 rund 60 Millionen Gewinn. In diesem Jahr hatte das Beteiligungsunternehmen EQT versucht, die Mehrheit an der Schufa zu übernehmen. Widerstand von Sparkassen und Volksbanken in der Schufa-Eigentümerschaft verhinderten seinerzeit den Einstieg.
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