Während Gold in der Krise neue Rekorde aufstellt, steckt der Bitcoin wieder einmal im Korrekturmodus. Doch wer langfristig denkt, sollte jetzt genau hinschauen: Warum das digitale Gold das Edelmetall auf Dauer hinter sich lassen dürfte.
Erneut belastet die Zollpolitik von US-Präsident Trump neben den Aktien- auch die Kryptomärkte. Nach dem Erholungsversuch kam der Bitcoin zum Wochenschluss wieder erheblich unter Druck. Auch die Bitcoin-ETFs verzeichneten erstmals seit zwei Wochen wieder Nettoabflüsse. Irgendwann wird das negative Votum der Aktienmärkte die Trump-Administration aber dazu zwingen, eine verlässlichere Handelspolitik zu betreiben.
Beim Bitcoin ist dabei das altbekannte Muster zu beobachten. Schwächeln aufgrund einer akuten Krisensituation die Aktienmärkte, dann gilt das auch für den Bitcoin. Denn in Krisenzeiten werden liquide Risiko-Assets wie (Tech-)Aktien verkauft, und Bitcoin wird in diesem Kontext als liquides Risiko-Asset wahrgenommen, zumal in den vergangenen Jahren immer mehr traditionelle Anleger auch in Bitcoin diversifiziert haben. Führen diese ihre Anteile an riskanteren Anlagen zurück, ist davon auch der Bitcoin betroffen. Kurzfristig bleibt der Bitcoin jedoch stark korreliert mit der weiteren Entwicklung an den Aktienmärkten, besonders mit dem Nasdaq-Index. Längerfristig wird aber wieder der Inflationsschutz durch den Bitcoin zum Tragen kommen. Denn mittlerweile sprechen die Zeichen weltweit schon wieder für eine lockerere Geldpolitik.
Langfristig ist Bitcoin sogar inflationssicherer als Gold
Im Gegensatz zum als digitales Gold klassifizierten Bitcoin ist der Goldpreis im Zuge der Unsicherheiten auf neue Rekordhochs von über 3100 Dollar pro Unze gestiegen. Vor einer Woche haben wir auf die seit zwölf Jahren bestehende Unterstützungslinie im logarithmischen Chart bei der Bitcoin-Gold-Ratio hingewiesen. Diese wurde vergangene Woche nachhaltig nach unten durchbrochen. Diesen Umstand kann man als Zeichen dafür deuten, dass die Anleger dem altbewährten klassischen Gold als sicherem Hafen weiterhin mehr trauen als dem noch jungen digitalen Gold. Die britische Bank Standard Chartered hat in Studien bereits mehrfach darauf hingewiesen. Dort wird das traditionelle Gold als Hedge bei geopolitischen Krisen klassifiziert. Dagegen wird der Bitcoin als Hedge gegen globale Krisen im traditionellen Finanzbereich gesehen — wie Bankzusammenbrüche oder die De-Dollarisierung auf den Weltmärkten, also die Verringerung der Dominanz des US-Dollar.
Trotzdem spiegelt die Beobachtung nur kurzfristige Trends wider. Langfristig ist der Bitcoin sogar inflationssicherer als Gold. Das Edelmetall wird weiter abgebaut, eine absolute Obergrenze des Bestands wie bei Bitcoin gibt es nicht. So kommen rund 3000 Tonnen jährlich neu hinzu. Die Inflationsrate von Gold, also das Verhältnis vom bisherigen Gesamtbestand zu dem jährlich neu geschürften, beträgt etwa 1,6 Prozent. Beim Bitcoin sind es aktuell 0,84 Prozent. Bei jedem der Bitcoin Halvings, die alle vier Jahre stattfinden, halbiert sich die Inflationsrate und tendiert gegen null. Dagegen kann beim Gold die jährlich produzierte Menge durch neue Fördermethoden auch zunehmen. Die Zahl der durch Mining neu in Umlauf gebrachten Bitcoin reagiert indessen nicht auf eine zunehmende Nachfrage und dadurch steigende Preise. Auf lange Sicht ist der Bitcoin also viel inflationssicherer als Gold.
Übrigens: Dieser Artikel erschien zuerst in der neuen Ausgabe von BÖRSE ONLINE. Diese finden Sie hier
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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.