Die Lage im Nahen Osten hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Huthi-Rebellen im Jemen, die sich solidarisch mit der Hamas erklärt haben, greifen Schiffe im Roten Meer an, die Richtung Suezkanal fahren. Mehrere Reedereien leiten ihre Frachter um und lassen sie die viel längere Route über Südafrika nehmen. Die Öl-Märkte reagieren mit steigenden Ölpreisen.

Mehrere große Reedereien haben bekannt gegeben, die Seestrecke, die das Rote Meer über den Suezkanal mit dem Mittelmeer verbindet, vorerst zu meiden. Die Route ist wichtig für den Welthandel und den Erdöl- sowie Flüssiggas-Transport über See. Am Montag hat auch der britische Energiekonzern BP wegen der jüngsten Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen auf Schiffe seine Öllieferungen durch das Rote Meer ausgesetzt. Der Konzern sprach in einer Mitteilung von einer sich verschlechternden Sicherheitslage.

Militärische Sicherheits-Allianz gegründet

Vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges und der zunehmenden Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer hat Israels Verbündeter USA eine militärische Sicherheitsallianz für die Region mit europäischen und anderen Partnern geschmiedet. Die "Operation Prosperity Guardian" soll Handelsschiffe besser vor Angriffen der von Israels Erzfeind Iran unterstützten Huthi-Rebellen schützen, teilte das US-Verteidigungsministerium mit. Beteiligt sind demnach Großbritannien, Bahrain, Frankreich, Italien, Kanada, die Niederlande, Norwegen, die Seychellen und Spanien. Geplant seien gemeinsame Patrouillen im südlichen Roten Meer und im Golf von Aden.

Die Huthi-Rebellen im Jemen zeigen sich von der von den USA geschmiedeten Allianz zur Sicherheit der Seeschifffahrt im Roten Meer unbeeindruckt. Die Huthi würden ihre Haltung zum Krieg im Gazastreifen nicht ändern, sagt der führende Vertreter der schiitischen Rebellen, Mohammed Abdulsalam, der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch an den nördlichen Grenzen von Israel kommt es vermehrt zu Konfrontationen. So spitzt sich die Lage im Grenzgebiet zum Libanon zu. Israels Militär warnte die dortige Hisbollah-Miliz vor einer Verschärfung der Kämpfe.

Was bedeutet das für den Ölpreis?

Die Erwartung einer Versorgungsknappheit hat den Ölpreisen einen kräftigen Schub nach vorne gegeben. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und die leichte US-Sorte WTI verteuerten sich am Montag zeitweilig um vier Prozent auf über 79 beziehungsweise gut 74 Dollar pro Barrel (159 Liter). Am Dienstag-Vormittag notieren die Ölpreise wieder etwas niedriger.

Brent-Öl (Barrel in US-Dollar, Spotpreis)
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Brent-Öl (Barrel in US-Dollar, Spotpreis)

Springen Ölpreise bald auf 100 Dollar?

Unterstützt werden die Erdölpreise seit einigen Tagen durch den tendenziell schwächeren Dollar. Hintergrund ist die Aussicht auf perspektivisch sinkende Leitzinsen in den USA. Rohöl wird überwiegend in der US-Währung gehandelt. Fällt der Dollarkurs, steigt häufig die Ölnachfrage außerhalb des Dollar-Raums. Denn in diesem Fall wird Rohöl wechselkursbedingt dort günstiger.

Noch befinden sich die Ölpreise in einem breit angelegten Abwärtstrend. Erst wenn auch die 200-Tage-Linie wieder überwunden werden würde, sähe es charttechnisch wieder nach weiter steigenden Notierungen aus. Die Opec+-Staaten verknappen mit Förderbegrenzungen das Rohöl-Angebot, um die Preise zu stabilisieren beziehungweise nach oben zu treiben. Die vor einigen Monaten noch befürchteten Preissteigerungen auf 100 Dollar pro Barrel erscheinen derzeit wenig wahrscheinlich. Verbraucher profitieren noch von relativ günstigen Spritpreisen. Auch Heizöl hält sich recht stabil. Im bundesdeutschen Durchschnitt wurde von esyoil heute ein Heizölpreis von 106,94 Euro pro 100 Liter (bei Abnahme von 3.000 Litern) festgestellt. (Mit Material von dpa-AFX und Reuters) 

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